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Kai Uwe KrohmerEin Vierteljahrhundert ganz im Sinne des Regelwerks

Schiedsrichter haben es momentan nicht so einfach. Vor allem aus dem Bereich des Amateurfußballs hörte man zuletzt immer wieder Negatives. Ob auf Plattformen im anonymen Internet oder direkt während einer Sportveranstaltung, nicht selten müssen sich die Unparteiischen unangenehmen Reaktionen von Spielern, Trainern oder Zuschauern erwehren. Im Tischtennissport halten sich derartige Randerscheinungen zweifelsohne in Grenzen, wenngleich es zuletzt bei den German Open einen Zwischenfall gab, als sich ein Trainer zu einer vehementen Schiedsrichterschelte hinreissen ließ. Kai-Uwe Krohmer aus Wolfschlugen hat in seiner mittlerweile 25-jährigen Schiedsrichterlaufbahn nur wenige kritische Situationen überstehen müssen, von Anfang an ist er mit Leib und Seele am Schiedsrichtertisch aktiv. Und die zahlreichen Höhepunkte, die er in Funktion als „Tischtennis-Gesetzeshüter“ erlebte, überwiegen bei weitem. Unser Verbandsmitarbeiter Thomas Holzapfel führte mit Kai-Uwe Krohmer ein Gespräch anlässlich dessen Ehrenamtsjubiläums.

Redaktion: Kai-Uwe, viele Tischtennisspieler aus dem Verbandsgebiet kennen dich seit langen Jahren als engagierten und pflichtbewussten Schiedsrichter. Kannst du noch ein paar persönliche Details von dir preisgeben?

Kai-Uwe Krohmer: Ich bin 45 Jahre alt, ledig und wohne in Wolfschlugen, einer Gemeinde im Landkreis Esslingen. Ich spiele selbst Tischtennis in der dritten Mannschaft des SV Hardt, die momentan in der Kreisliga D an den Start geht. Neben dem Tischtennissport habe ich mich auch dem Boule-Spiel verschrieben. Außerdem gehe ich ins Fitnessstudio, lese gerne und lerne zurzeit die französische Sprache. Beruflich bin ich als Verwaltungsfachangestellter bei der Stadtverwaltung in Nürtingen tätig.

Redaktion: Welches waren deine ersten Berührungspunkte mit dem Tischtennissport?

Kai-Uwe Krohmer: Im zarten Alter von acht Jahren habe ich beim TSV Wolfschlugen angefangen. Meine Mutter hat mich zum Tischtennisspielen gebracht, meine beiden Schwestern haben ebenfalls im Verein den Schläger geschwungen. Mein höchster Wert im Tischtennisranking waren 1250 Punkte, ich bin also eher in den unteren Spielklassen unterwegs. In der Jugendarbeit war ich dann erstmals als Funktionär aktiv, ich war Jugendtrainer in Wolfschlugen und später auch beim SV Hardt.

Redaktion: Wie und wann kam es dann dazu, dass du die Schiedsrichterlaufbahn eingeschlagen hast?  

 

Kai-Uwe Krohmer: Ich habe immer mal wieder einen Tischtennisspieler aus Unterensingen getroffen, der damals Bezirksschiedsrichter war und mir immer von seinen Einsätzen in der zweiten Bundesliga erzählte, was mich durchaus beeindruckte. Zur gleichen Zeit hat mein damaliger Verein einen Bezirksmitarbeiter gesucht, um einer drohende Strafe mangels Funktionärsarbeit zu umgehen. Da kam dann der Abteilungsleiter auf mich zu und fragte, ob ich mir den Besuch eines Schiedsrichterlehrgangs vorstellen könnte. Im Jahr 1994 war es, als ich den Verbandsschiedsrichterlehrgang in Weinsberg besuchte. Dort hatte ich mit Eckhard Mayer aus dem Bezirk Ludwigsburg einen sehr guten Lehrmeister. Eckhard wurde an diesem Wochenende auf die nationale Prüfung vorbereitet und erzählte mir viel von seinen Einsätzen und seinen gemachten Erfahrungen.

Redaktion: Welche Ämter hast du in der Vergangenheit bekleidet und welche übst du aktuell aus?

Kai-Uwe Krohmer: Ich war mal sechs Jahre lang stellvertretender Lehrwart im württembergischen Schiedsrichterausschuss. Von 1997 bis 2013 war ich stellvertretender Ressortleiter Schiedsrichter in unserem Bezirk. Seit 2013 bin ich an vorderster Front im Bezirk als Ressortleiter tätig und in diesem Jahr übernahm ich auch noch den Bezirk Staufen. Ich bin dabei unter anderem für die Einteilung der Unparteiischen bei den diversen Tischtennisveranstaltungen in unserem Gebiet verantwortlich. Als Schiedsrichter bin ich selbst auf Verbandsebene sowie national und international im Einsatz.

Redaktion: Welche Prüfungen galt es hier zu absolvieren?

 

Kai-Uwe Krohmer: Wie gesagt, 1994 ging es mit der Prüfung auf Verbandsebene los, zehn Jahre später erfolgte die Zertifizierung zum nationalen Schiedsrichter. Und im Jahr 2008 legte ich die Prüfung zum internationalen Schiedsrichter ab. Mein erster Auslandseinsatz war dann bei den Danish Open in Frederikhavn.

Redaktion: Welches waren die bisherigen Höhepunkte in deiner 25-jährigen Laufbahn?

Kai-Uwe Krohmer: Da gibt es einige und ich möchte keinen davon missen. Die Europameisterschaften 2009 in Stuttgart werden mir genauso positiv in Erinnerung bleiben wie die Weltmeisterschaften 2012 in Dortmund und 2017 in Düsseldorf. Zudem war ich 2013 als Schiedsrichter beim Champions-League-Finale der Damen in Linz aktiv, außerdem ein Jahr davor beim EM-Finale des gemischten Schülerdoppels in Schwechat bei Wien. Last but not least nahm ich bei mittlerweile fünf Endspielen um die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Herren teil.   

 

Redaktion: Hast du auch schon mal negative Erfahrungen bei der Ausübung deines Amtes gemacht?

Kai-Uwe Krohmer: Ja, das lässt sich vermutlich nicht ganz vermeiden. Bei den Polish Open damals ging einiges schief, aber da möchte ich im Detail nicht darauf eingehen. Bei einem Turnier im Behindertensport bezichtigte mich ein Spieler, dass ich die Mannschaftsaufstellung im Teamwettbewerb nachträglich geändert hätte. Auf nationaler Ebene kann ich mich an das Bundesligaspiel zwischen Frickenhausen und Düsseldorf erinnern, hierbei speziell an das Einzel zwischen Miroslav Bindatsch und Jörg Roßkopf. Im dritten Satz beim Stand von 18:16 für Bindatsch habe ich einen Kantenball für den heutigen Bundestrainer gewertet. Die ganze Halle mit etwa eintausend Zuschauern hat getobt und gepfiffen. Roßkopf hat das Spiel dann gewonnen. Die Situation war damals für mich als Schiedsrichter-Jungspund nicht einfach.

Redaktion: Welche weiteren Ziele hast du noch in puncto Schiedsrichter-Ehrenamt?

Kai-Uwe Krohmer: Weitere Ehrenämter kann ich mir nicht vorstellen, ich bin zufrieden, wie es derzeit ist. Reizvoll wäre für mich allenfalls noch die Funktion eines Schiedsrichter-Beobachters, falls das mal gewünscht sein sollte. Es macht definitiv Spaß, die selbst gemachten Erfahrungen an Prüflinge und junge Kollegen weiterzugeben. Leider fehlt es derzeit in meinen beiden Bezirken am Schiedsrichternachwuchs. Da ist momentan viel Luft nach oben. Dabei würde es vielen Vereinen gut tun, Regelexperten in ihren Reihen zu haben.

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