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b_350_250_16777215_00_images_alt_phocagallery_VA1_8634.JPGDie Tischtennis-Nation ist derzeit ganz im WM-Fieber. In den Dortmunder Westfalenhallen finden in dieser Woche die Tischtennis-Mannschaftsweltmeisterschaften statt. Zahlreiche Vereinsvertreter aus dem TTVWH hoffen vorort auf eine Sensation in Form des Titelgewinns für die deutschen Männer um Timo Boll. Nicht nur als Fan dabei, sondern als Schiedsrichter direkt am Tisch aktiv ist Alexander Pertsch vom TSV Gärtringen (Foto: Volker Arnold).

Nicht wenige Tischtennisfreunde denken noch gerne an das Jahr 1989 zurück, als Jörg „Rossi“ Roßkopf und Steffen „Speedy“ Fetzner in Dortmund mit dem Gewinn des Weltmeistertitels im Doppel einen wahren Tischtennis-Boom in Deutschland ausgelöst haben. Auf so etwas hofft die große Tischtennis-Familie auch in diesen Tagen an gleicher Stelle, leidet ihr Lieblingssport doch seit vielen Jahren an mangelnder Medienpräsenz. Auch wenn mit Timo Boll seit einigen Jahren ein Deutscher unter den Besten der Welt rangiert, so fehlt hierzulande doch der richtige „Kick“, der die schnellste Rückschlagsportart noch weiter nach vorne bringen könnte. In Dortmund könnte es nun soweit sein, wenn an den drei letzten Turniertagen jeweils 11000 Zuschauer in Dortmund die deutschen Damen und Herren nach vorne peitschen.

Nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Funktionäre und die Schiedsrichter stellen die Weltmeisterschaften im eigenen Land „den“ diesjährigen Höhepunkt im Tischtennis-Kalender dar. Dementsprechend groß war auch die Vorfreude bei Alexander Pertsch, selbst Tischtennisspieler beim TSV Gärtringen, der in seiner Funktion als Nationaler Schiedsrichter in dieser Woche ganz besonders nah dran ist an den weltbesten Tischtennisspielern.

 Bei seiner Prüfung zum DTTB-Schiedsrichter hat Alexander Pertsch im vergangenen Jahr bestätigt, dass die Schiedsrichter-Kandidaten aus Württemberg stets zu den Lehrgangsbesten zählen. Als Lehrgangsbester hat der 28-jährige mit 99 von 100 möglichen Punkten eindrucksvoll neue Maßstäbe gesetzt. „Das ist ein Traumergebnis. Ich bin überzeugt, dass die 100 Punkte reif gewesen wären, wenn es diese überhaupt geben würde“, kommentierte Hans-Peter Wörner, langjähriger Schiedsrichter-Chef in Württemberg, das Ausnahmeergebnis des Gärtringers. Noch nie hätte ein Nationaler Schiedsrichter das absolute Spitzenergebnis bei der Prüfung erreicht.

Alexander Pertsch, der vor knapp zehn Jahren im Herbst 2002 mit der Prüfung zum Verbandsschiedsrichter den Zugang zur Gilde der aktiven Regelkundler gefunden hatte und seither viel Erfahrung sammeln konnte, hat jedenfalls allen Grund, stolz auf das Prüfungsergebnis zu sein. Jetzt möchte der in den kommenden Jahren auch vor Ort in den deutschen Sporthallen zeigen, dass er neutral über allem steht. Gelegenheit dazu bietet sich diese Woche in Dortmund, wo Pertsch als Schiedsrichter am Tisch aktiv ist. Alexander Pertsch zog am Mittwoch eine kleine Zwischenbilanz: „Bisher hatten wir jeden Tag zwei Mannschaftskämpfe zu leiten. Man ist immer in Zweierteams mit wechselnden Partnern eingeteilt. Die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Nationen ist zuweilen eine echte Herausforderung, vor allem in punkto Kommunikation. Heute bin ich mit einem Tunesier im Team, da läuft die Kommunikation mit einer Mischung aus Englisch, Französisch und mit Händen und Füßen.“

Eine Art Generalprobe vor den hochkarätigen Weltmeisterschaften war für Pertsch im Vorfeld der Einsatz bei den BSNW Open, einem internationalen Turnier des Behindertensportverbands Nordrhein-Westfalen. Eine spezielle Vorbereitung auf die Dortmunder WM erfolgte jedoch nicht. Pertsch: „Berufsbedingt musste die Vorfreude etwas zurückstehen, das richtige WM-Feeling kam erst mit der Ankunft in Dortmund so richtig auf.“ Der 28-jährige, der derzeit auch als Ressortleiter Schiedsrichter im Bezirk Böblingen fungiert und dort unter anderem die Einsätze der Unparteiischen koordiniert, hat auch in beruflicher Hinsicht die Messlatte seiner Ansprüche und Ziele hoch gelegt. Als Ingenieur im Bereich der Technischen Kybernetik ist er an der Universität Stuttgart als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.

In dieser Woche gehört Pertsch’s ganze Konzentration der Tischtennis-WM. Doch auch darüber hinaus will der Hobby-Fotograf zukünftig an seiner Schiedsrichterkarriere feilen. Künftig wird Alexander Pertsch mit der Leitung von Bundesligaspielen beauftragt werden, zudem stehen weitere Großveranstaltungen im Bundesgebiet auf dem Programm. „Mittelfristig in den nächsten Jahren plane ich die internationale Prüfung abzulegen, wobei man hierfür mindestens zwei Jahre Nationaler Schiedsrichter sein muss. Somit ist das frühestens 2014 ein Thema und es ist jetzt noch zu früh, das im Detail zu planen“, gibt Alexander Pertsch einen kleinen Ausblick. Etwas zu kurz kommt derzeit sein eigenes Spiel am Tisch, derzeit ist er als Ersatzmann beim TSV Gärtringen in der Kreisklasse aufgestellt. „Ich werde vor der Runde entscheiden, ob ich wieder einsteige, aber die zahlreichen Termine in meiner Funktion als Schiedsrichter lassen es momentan nicht zu, dass ich regelmäßig spiele“.

Diese Woche in Dortmund wird Alexander Pertsch sicherlich nicht so schnell vergessen. Hauptsächlich, weil es sein erster großer Einsatz auf der internationalen Tischtennis-Bühne ist. Und vielleicht auch, weil die deutschen Tischtennis-Männer der chinesischen Übermacht ein Bein gestellt haben. Träumen darf zumindest heute noch erlaubt sein.

Bericht: Thomas Holzapfel/Michael Stark
Foto: Volker Arnold

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